Peter Hoffmann, Fashion- und Peoplefotograf im neoluma Kurzinterview
Hallo Peter, erstmal sei gesagt: wenn der Name Blitzrausch nicht schon vergeben wäre, hätten wir unseren Shop so benannt. Du warst einfach schneller und wir freuen uns, dass er zumindest in gute Hände gekommen ist 😊 Wie lange blitzt Du dich denn schon in tiefe Rauschzustände?
 
Hahaha... siehst Du, dann lag ich doch richtig mit meiner Namenswahl...;) Ich suchte damals nach etwas Einprägsamem ohne Umlaute, das mit der Blitztechnik zu tun hat, da ich eigentlich fast immer Blitzlicht für meine Arbeiten benutze. Und vor allem wollte ich keinen Anglizismus, davon haben wir eh schon genug im Bereich der Fotografie.
 
Ich habe schon früh angefangen mit der Fotografie, da mein Vater sehr technikbegeistert war und ich offensichtlich von ihm die Leidenschaft für mechanische Uhren, Optiken und analoge Fotoapparate geerbt habe. Meine erste Kamera war eine Voigtländer Bessamatic, aber auch mit Leicas durfte ich damals schon hantieren.
 
So richtig angefangen mit der Peoplefotografie habe ich 2009 als ich mir meine erste digitale Spiegelreflexkamera gekauft habe, damals eine Sony Alpha 700. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich gerne mit Blitzlicht experimentiere. Deshalb bin ich zu Canon gewechselt, weil das Angebot an Zubehör, gerade in der Blitzlichtechnik, für diese Marke noch umfangreicher war. Mittlerweile ist das ja zum Glück anders.

 

Also hast Du doch schon einige Schätzchen in der Hand halten dürfen. Findest Du nicht auch, dass Fotografen, die teilweise oder ausschließlich analog arbeiten, ein besseres Auge für die Bildsprache entwickeln? Wenn man sich bewusst ist, dass ein Auslöser 50 Cent kostet und man keine direkte Bildkontrolle hat, bilden sich anscheinend andere Synapsen im Gehirn. Ich finde das immer sehr belebend zwischendurch. Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht?

 
Ich denke, die digitale Technik hat die Fotografie für einen größeren Nutzerkreis interessant gemacht. Sie ermöglicht eine direkte Bildkontrolle und führt schneller zu (gewünschten) Ergebnissen. Sie macht es also einfacher für Nutzer im Bereich der Fotografie Fuß zu fassen. Ich denke aber auch, dass Fotografen, die sich mit der analogen Fotografie auseinandersetzen oder zumindest einmal auseinandergesetzt haben, ein besseres "Auge" entwickeln können, ja!
 
Man fotografiert analog einfach bewusster, macht sich mehr Gedanken über Bildinhalte sowie Aufnahmesituationen. Gerade dann, wenn man eben nur 18, 24 oder 36 Aufnahmen am Stück machen kann und idealerweise noch dazu manuell fokussieren muss..... ;) Wenn also analog, dann komplett.
 
Ich empfehle meinen Seminarteilnehmern z.B. immer, nicht zu viele Aufnahmen mit der digitalen Technik auf einmal zu machen, sondern sich bewusst vorher mit dem auseinanderzusetzen, was sie fotografieren bzw. darstellen wollen. Versuchsreihen haben gezeigt, dass die Ergebnisse dann von Anfang an besser werden. Dabei ist die genutzte Technik nur Hilfsmittel, das eigentliche Foto sollte der Anwender mit "Köpfchen" entstehen lassen.

Du gibst auch Workshops? Was sind die Themen und welche Zielgruppe sprichst Du damit an? 
Ja, ich gebe nebenberuflich auch Workshops und auf Anfrage auch Einzelcoachings oder begleitete Shootings im Bereich Fashion/Beauty für interessierte Fotografen. Ich gebe hier meist einen Einblick in meine persönliche Arbeitsweise, angefangen von der Shootingplanung bis hin zum Umgang mit dem Model und der abschließenden Nachbearbeitung der entstandenen Aufnahmen. 
 
Meine Zielgruppen sind hier ganz klar die Einsteiger in die Peoplefotografie, aber auch die Fortgeschrittenen, die sich intensiver mit dem Einsatz von Blitzlicht in der Fotografie befassen wollen. Leider fehlt mir aktuell etwas die Zeit dazu, daher habe ich das etwas zurückgestellt.
 
Hauptberuflich bin ich als Fachlehrer für Foto- und Videografie an einer staatlichen Akademie des Landes Hessen tätig und hier verantwortlich für den gesamten Bereich der Fotografie und der digitalen Bildverarbeitung. Zielgruppe ist hier der Anwender, der die digitale Fotografie und/oder Bildbearbeitung in seinem spezifischen Arbeitsumfeld einsetzen muss. Der Schwerpunkt liegt hier aber mehr in der Sachfotografie oder der Dokumentation.

Das klingt als wärst Du kreativ ausgelastet. Übrigens kommst Du aus einer sehr kreativen Ecke. Es sind wirklich großartige Fotografen, die sich deine Nachbarn nennen: Jean Noir, Alexander Heinrichs, Peter Müller und Tilo Gockel - ohne letzteren gäbe es neoluma wahrscheinlich gar nicht . 🙂 Gibt es Fotografen, die Deine Arbeit maßgeblich geprägt haben?
 
Die Mode- oder Peoplefotografie ist mein persönlicher Ausgleich zu meinem beruflichen Arbeitsumfeld, welches in der Tat einen ganz anderen Bereich der Fotografie abdeckt. Ich kann in der Modefotografie meine kreative Ader ausleben und meine persönlichen Vorlieben einfließen lassen. Ich denke, das unterscheidet mich auch von vielen professionellen oder semiprofessionellen Fotografen in der Szene. Denn ich kann im kreativen Bereich wirklich ausschließlich das umsetzen, was mir persönlich gefällt, und ohne unbedingt einen Kundenwunsch erfüllen zu müssen. 
 
Ich habe großen Respekt vor allen niedergelassenen und freien Fotografen, die mit der Peoplefotografie ihre Brötchen verdienen und gezielt Kundenwünsche mit ihrer Arbeit bedienen, ohne ihre eigene Kreativität immer im vollen Umfang einfließen lassen zu können.
 
Ja, da nennst du wirklich ein paar der ganz großen Namen der Szene, nicht nur hier lokal, wie ich finde. Natürlich inspirieren mich deren Arbeiten genauso wie die Arbeiten meiner persönlichen Vorbilder Kristian Schuller, Ellen von Unwerth oder Helmut Newton. Man darf nur nicht den Fehler machen, und zu sehr einem Idol "hinterher zu fotografieren", da man sonst keinen eigenen Stil entwickeln kann. Abgucken ist gut, kopieren ist schlecht.... ;)
 
Maßgeblich geprägt haben mich aber wirklich zwei Fotografen hier im Rhein-Main Gebiet. Zum einen ist das Peter Hähnel aus Wiesbaden, den ich immer als meinen "Ziehvater" bezeichne, auch wenn er das eigentlich nicht hören will.... ("Gruß an dich an dieser Stelle"). Bei ihm habe ich meine ersten Workshops besucht und später in seinem Studio, dem Phönix Studio in Mainz, auch selbst gegeben. Durch ihn habe ich viel gelernt und auch meine Leidenschaft für das Blitzlicht entdeckt.
 
Zum anderen ist das, und du hast ihn ja schon genannt, der liebe Jean Noir. Ein toller Typ und unheimlich kreativer Mensch, der die Fotografie verinnerlicht hat und buchstäblich "lebt". Ich denke, das sieht man an seinen Arbeiten. Es ist immer wieder inspirierend in seinem wirklich tollen Studio in Urberach zu Gast zu sein und sich mit ihm vor, nach und während eines Fotoshootings austauschen zu können. Der Kontakt zu ihm hat mich vor einiger Zeit wieder aus einer "Schaffenskrise" (welcher Fotograf kennt sie nicht...) geholt und die Begeisterung für die Fotografie neu entfacht... ("Danke auch an dich an dieser Stelle...").
 

Ja, die lieben Schaffenskrisen. Ich glaube jeder Fotograf braucht das um sich weiter zu entwickeln. In der Regel kommt man gestärkt daraus zurück. Oftmals will man sich einfach zu viel Kreativität entlocken. Diese braucht aber Zeit und Ruhe und kommt stets ungezwungen. 
 
Was steht als nächstes großes Projekt bei Dir an, Peter?
 
Momentan bin ich tatsächlich in einem Schaffenshoch, mein Kopf platzt förmlich vor Ideen für Themen und Shootingprojekte. Aber ich habe mir fest vorgenommen, bestimmte Sachen zeitnah endlich mal umzusetzen. Dazu gehört, unter anderem, die Videografie. Auch hier habe ich ganz klare Vorbilder wie z.B. Cameron Mackey, um nur mal Einen zu nennen, der die beiden Themenfelder Foto- und Videografie überragend miteinander verbindet. Das Thema Video wird in der Fotografie, bzw. in der Szene, als Medium immer wichtiger. In allen großen Social Communitys gehören bewegte Bilder mittlerweile einfach dazu um sich oder ein Produkt zu präsentieren. Und auch Agenturen und Firmen arbeiten ja seit Jahren verstärkt damit. Das ist ja bei neoluma auch nicht anders. Kurzum, ich plane momentan zusammen mit einem kleinen Team ein erstes Videoprojekt im Rahmen eines Fashionshootings.
 

Sehr spannend. Wir würden uns freuen, wenn Du uns weiterhin an Deinen Projekten teilhaben lässt. Dein Schaffenshoch ist aktuell sehr präsent im neoluma Instagram feed. Das freut uns sehr. Da sind großartige Arbeiten dabei mit tollen Menschen. Man erkennt bei Dir sehr deutlich, dass Dir ein technisch perfektes Bild wichtig ist. Gleichzeitig hat die Bildsprache für dich eine große Bedeutung. Deine Modelle sind immer sehr ausdrucksstark. Wo rekrutierst Du sie?
 
Vielen Dank! Und ja: sehr gerne! Die neoluma Companion passt aktuell auch sehr gut zu meiner Art zu fotografieren, da ich sie sowohl mit System-, als auch mit kompakten Studioblitzgeräten nutzen kann.
 
Meine Modelle finde ich auf sehr unterschiedliche Art und Weise, z.B. online oder durch Empfehlung. Wenn ich aber ehrlich bin, finden sie in der Regel eher mich. Ich freue mich darüber, dass meine Arbeiten offenbar einem so großen Personenkreis gefallen, dass ich viele Anfragen zu Shootings von interessierten Models erhalte. Die social communities spielen dabei die Hauptrolle, insbesondere Instagram.
Ich arbeite fast ausschließlich mit Models aus dem Hobbybereich, es sei denn, ich will ein bestimmtes Projekt umsetzen, bei dem ich lieber auf "professionelle" Hilfe zurückgreife. So oder so ist es mir aber immer wichtig, dass die Chemie zwischen Fotograf und Model passt, und ich bin sehr kritisch bei meiner Auswahl. Zweifelhafte Ideal- bzw. Normmaße sind dabei für mich weniger entscheidend wie das Interesse und das Können, an einem Projekt mitzuwirken. Nicht die Länge der Beine ist entscheidend, sondern die Lust und die Laune, mit denen sie bewegt werden :)
 
Peter: wir sind sicher, dass wir noch viel Großes von dir hören und vor allem sehen werden. Wir freuen uns darauf! Danke für Deine Zeit und allzeit gutes Licht wünscht Dir das ganze neoluma Team
 
 
Mehr über Peter erfährst Du unter www.blitzrausch.de

 

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